Credo

Ein Platz für Johannes Paul II.

Am 1. Mai wird Karol Wojtyla, besser bekannt als Papst Johannes Paul II., von der katholischen Kirche selig gesprochen. Durch diesen Akt würdigt die Kirche auf ihre Weise das Leben einer der außergewöhnlichsten Gestalten des 20. Jahrhunderts.

Die Verdienste dieses Mannes beschränken sich jedoch nicht auf die Kirche. Weit darüber hinaus verdient sein Wirken Anerkennung. Unsere Stadt sollte da nicht zurückstehen. Wir sollten den ersten Polen auf dem Stuhl Petri, dem auch wir Deutsche viel verdanken, angemessen würdigen, indem wir eine Straße oder einen Platz nach ihm benennen.

Nach katholischem Kirchenrecht ist für die Seligsprechung der Nachweis eines Wunders notwendig. Für die Benennung einer Straße ist dies glücklicherweise nicht erforderlich. Hier reicht es, dass einer Großartiges geleistet hat. Und das dürfte bei Karol Wojtyla außer Zweifel stehen.

Wojtyla war ein Mann der Freiheit. In seiner Jugend erlebte er Diktaturen von rechts und links: Als Student litt er in Polen unter dem Gewaltregime der Nazis, als junger Priester unter kommunistischer Willkür. Dies hat ihn geprägt. Ständig - so auch in seiner beeindruckenden Rede vor dem Brandenburger Tor 1996 - forderte er auf der Grundlage seines christlichen Glaubens die Achtung der menschlichen Freiheit. Er tat dies konsequent auch dort, wo er sich damit unbeliebt machte. Sein Wirken, darüber sind sich Historiker einig, hatte einen gar nicht hoch genug einzuschätzenden Anteil am Zusammenbruch kommunistischer Gewaltherrschaft in Europa. Als Stalin einmal auf den damaligen Papst angesprochen wurde, fragte er zynisch, wie viele Divisionen dieser denn habe. Der Mann aus Polen hat dem Kreml und der ganzen Welt gezeigt, dass noch so große Armeen gegen das gewaltlose Streben nach Freiheit nutzlos sind.

Religiös war Karol Wojtyla ein Mann der Versöhnung und des Ausgleichs. Natürlich glaubt die katholische Kirche - darin unterscheidet sie sich nicht von anderen Glaubensgemeinschaften - an die Richtigkeit ihrer eigenen Lehren. Dennoch wurde Johannes Paul II. nicht müde, Respekt gegenüber anderen Religionen einzufordern. Unvergesslich ist seine Bitte um Vergebung gegenüber den Juden, was ihm, der viele jüdische Freunde hatte, ein Herzensanliegen war. Bahnbrechend ist auch, wie er als erster Papst in einer Moschee gebetet hat und damit seine Achtung vor gläubigen Moslems demonstrierte.

Menschlich hat er nicht zuletzt in den Stunden seines Todes unglaubliche Größe gezeigt. Auch als sichtlich kranker Mensch hat er sich nicht zurückgezogen, sich nicht geschämt, sondern sein Leiden angenommen und mit vielen anderen Menschen geteilt. "Ich bin froh, seid ihr es auch", sagte er am Tag vor seinem Tod. Er hat auch damit Kranken und behinderten Menschen ein Vorbild gegeben.

Und welcher Ort sollte seinen Namen tragen? Ich meine, der Südstern. Der jetzige Name ist eine Verlegenheitslösung der Nachkriegszeit. Neben dem Platz befindet sich heute die Nuntiatur, die diplomatische Vertretung des Heiligen Stuhls in Deutschland. Dort liegt auch die Johannes-Basilika, Heimat der polnischen Gemeinde in Berlin. Die Umbenennung wäre damit auch eine Geste gegenüber unseren polnischen Nachbarn.

Wir sollten nicht wieder in kleinlichen Parteienstreit verfallen, sondern ein starkes gemeinsames Zeichen setzen zur Ehrung eines außergewöhnlichen Mannes und eines der größten Söhne unserer polnischen Freunde.

Christoph Lehmann ist Rechtsanwalt und war Initiator des Volksbegehrens "Pro Reli". Er ist Mitglied der Berliner CDU.

Quelle: Berliner Morgenpost (Christoph Lehmann)

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